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Wilderei im Solling

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

Wilderei im Solling

Da ich am Sollingrand aufgewachsen bin, habe ich mich schon von frühster Jugend an für Natur und Jagd interessiert. Fasziniert haben mich deshalb auch die vielen Wilddiebsgeschichten, die in Dassel und Sievershausen erzählt wurden. Bereits als Jugendlicher begann ich damit, alles über die Wilddieberei Erfahrene aufzuschreiben und schriftliche Quellen zu sammeln.

2006 erschien im Verlag Jörg Mitzkat das Buch von Daniel Althaus „Wilderer im Solling“. Das Buch wurde aufgrund der großen Nachfrage ein Erfolg. Deshalb baten mich Verleger Jörg Mitzkat (Holzminden), der Autor Daniel Althaus (Uslar) sowie der Betreuer des Projekts, Dr. Wolfgang Schäfer (Uslar), mich an einer weiteren umfangreicheren Bearbeitung dieses Themas zu beteiligen.

Da Daniel Althaus z.Zt. mit seiner Dissertation über die Glashüttengeschichte von Amelith beschäftigt und Dr. Wolfgang Schäfer nur beratend tätig war, bin ich fast zum alleinigen Erforscher der Wilddiebsgeschichte des Sollings geworden. Seitdem habe ich zahlreiche Förster, Jäger und Waldarbeiter interviewt. Die Universitätsbibliothek Göttingen, einschließlich der forstwissenschaftlichen Abteilung, das Hauptstaatsarchiv Hannover und das Staatsarchiv Wolfenbüttel wurden durchforscht, umfangreiches Material konnte von mir ausgewertet werden.


Im 15. Und 16. Jahrhundert gelang es den Landesherren, sich das alleinige Jagdrecht über das Hochwild anzueignen. Damit einher ging die Einschränkung der Nutzung der Wälder für die Untertanen. Das bedeutete konkret, dass die Hochwildbestände durch ausgewiesene Schutzgebiete und Pflegemaßnahmen ständig erhöht wurden, um durch große Jagden die Höfe mit Wildbret zu versorgen und die Jagdpassion der Fürsten zu befriedigen. Eine Entschädigung für die Wild- und Jagdschäden gab es nicht.

Dem stand die Rechtsauffassung weiter Teile der Landbevölkerung gegenüber, dass jedermann das Recht habe, sich frei lebendes Wild anzueignen. Je höher die Wildbestände und damit die Wildschäden waren, desto mehr wurde von diesem angeblichen Recht Gebrauch gemacht. So wurden z.T. zwei Drittel des im Solling erlegten Wildes durch Wilddiebe zur Strecke gebracht. Die Freijäger stellten somit nach Aussterben der Bären und Wölfe ein Regulativ für zu hohe Wildbestände dar.

Durch Totschießen der in den herrschaftlichen Wäldern angetroffenen Wilderer meinte man jahrhundertelang, das Problem lösen zu können. Aber auch hohe Geld- oder Freiheitsstrafen schreckten nicht ab. Neben der Passion stand oft große finanzielle Not hinter der Wilderei. Besonders in Kriegs- und Nachkriegszeiten war für viele Sollingbewohner die Freijagd oft die einzige Möglichkeit, ihre Familien zu ernähren. Die Berufswilderei war weit verbreitet.

Die Förster waren per Diensteid verpflichtet, den Wilderern nichts nachzusehen. So kam es immer wieder zu Aufeinandertreffen, bei denen Waffen eingesetzt wurden: auf der einen Seite, um Wilderer festzunehmen, auf der anderen Seite, um sich einer Festnahme und damit einer Bestrafung zu entziehen. Dies führte direkt oder indirekt dazu, dass 70 heute im Solling nachweisbare Todesfälle sowie zahlreiche Verletzte auf Wilderei zurückzuführen sind.

Zahlreiche Gedenksteine wurden erschossenen oder verdienten Forstleuten zur Erinnerung gesetzt, bzw. Waldstücke nach ihnen benannt. Wilddiebe standen außerhalb des Rechts. Deshalb gibt es nur wenig, was im Solling an sie erinnert:

- den „Diebesbusch“ und „Diebesstein“ für den ermordeten Wilddieb Reinhold aus Sievershausen

- den „Wilddiebsborn“ im oberen Hellental (heute „Henkenborn“)

- die „Wilddiebseiche“ bei Amelith

- die Gaststätte „Wilddiebsstube“ in Silberborn.


Zu den aktualisierten Listen der erschossenen Förster und Wilderer im Solling

(Stand: 01.Juli 2015)


Weitere Hinweise in dem Buch:
Begegnungen auf Leben und Tod: Förster und Wilderer im Solling, Holzminden 2010.


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